Die Europäische Union arbeitet an einem gemeinsamen digitalen Ordnungsrahmen für Gebäudedaten. Nach aktuellen Planungen soll das Europäische Komitee für Normung CEN Grundlagen für sogenannte digitale Gebäudelogbücher erarbeiten. Damit soll künftig klarer geregelt werden, welche Informationen zu einem Gebäude digital erfasst, strukturiert weitergegeben und dauerhaft fortgeschrieben werden können.

Digitale Gebäudelogbücher gelten als wichtiger Baustein für eine datenbasierte Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie können technische, energetische, administrative und betriebliche Informationen eines Gebäudes zusammenführen. Dazu zählen beispielsweise Angaben zu Planung, Genehmigung, Bauausführung, Energieeffizienz, Sanierung, Wartung, eingesetzten Produkten, Materialien und späterem Rückbau.

Nach dem derzeit bekannten Fahrplan sind zwei Normungsschwerpunkte vorgesehen. Zum einen soll ein europäischer Rahmen für Aufbau und Anwendung digitaler Gebäudelogbücher entstehen. Zum anderen ist ein gemeinsames Kerndatenschema geplant, das den Austausch und die Auswertung von Gebäudedaten vereinfachen soll. Die entsprechenden europäischen Normen sollen nach aktuellem Stand bis Ende Oktober 2028 vorliegen.

 

Vom einzelnen Dokument zur strukturierten Gebäudedatenbasis

Die geplante Standardisierung zeigt, dass Gebäudedaten künftig eine deutlich größere Rolle spielen werden. Bisher liegen viele Informationen häufig verteilt vor: bei Eigentümern, Planungsbüros, Behörden, Energieberatern, ausführenden Unternehmen, Herstellern oder im Facility Management. Ein digitales Gebäudelogbuch könnte diese Informationen nicht nur sammeln, sondern in einer einheitlichen Struktur nutzbar machen.

Damit geht es nicht um eine reine digitale Ablage von PDF-Dateien. Entscheidend ist, dass Daten so beschrieben und verknüpft werden, dass sie von unterschiedlichen Systemen gelesen, geprüft und weiterverarbeitet werden können. Das betrifft unter anderem BIM-Anwendungen, digitale Bauakten, Energieausweise, Renovierungsfahrpläne, Produktdaten, Materialkataster und Betriebsdaten.

Relevanz für Deutschland

Für Deutschland ist die Entwicklung besonders interessant, weil viele Digitalisierungsprozesse im Bauwesen derzeit parallel laufen. BIM, digitale Baugenehmigung, kommunale Gebäudedaten, Energieeffizienz-Nachweise und Nachhaltigkeitsberichte benötigen verlässliche und anschlussfähige Datenstrukturen. Ein europäischer Standard könnte helfen, diese Bereiche besser miteinander zu verbinden.

Auch öffentliche Bauherren und Kommunen könnten langfristig profitieren. Werden Gebäudedaten systematisch gepflegt, lassen sich Sanierungen besser vorbereiten, Instandhaltungen nachvollziehbarer planen und energetische Maßnahmen gezielter bewerten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenqualität, Datenschutz, Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten.

Einordnung

Das digitale Gebäudelogbuch kann zu einem zentralen Werkzeug für den Gebäudebestand werden. Während BIM heute vor allem mit Planung und Bauausführung verbunden wird, richtet sich der Blick beim Gebäudelogbuch stärker auf die langfristige Nutzung eines Gebäudes. Damit rückt der gesamte Lebenszyklus stärker in den Mittelpunkt: von der ersten Planung über Betrieb und Sanierung bis hin zur Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.

Für die Bauwirtschaft bedeutet das: Wer künftig Gebäudedaten sauber erzeugt, strukturiert übergibt und fortlaufend aktualisiert, schafft einen Mehrwert über die reine Bauphase hinaus. Gebäudedaten werden damit zu einer wichtigen Grundlage für Energieeffizienz, Werterhalt, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft.

Quelle: https://webgate.ec.europa.eu/