Die Digitalisierung im Bauwesen erreicht eine neue Entwicklungsstufe: Ein KI-gestützter Bauroboter für Sanierungsarbeiten könnte künftig körperlich belastende Maurer- und Putzarbeiten übernehmen. Hintergrund ist ein aktuelles Forschungs- und Entwicklungsprojekt aus Nordrhein-Westfalen, das derzeit insbesondere für die Altbau- und Denkmalsanierung Aufmerksamkeit erzeugt.
Im Mittelpunkt steht ein robotergestütztes System, das mithilfe von künstlicher Intelligenz, Kameratechnik, Sensorik und Laserscans unebene Bestandsflächen analysieren und anschließend eigenständig bearbeiten soll. Erste Demonstrationen zeigen bereits einen Roboterarm, der Lehmputz aufträgt und glättet – ein Bereich, der bislang stark von manueller Handarbeit geprägt ist.
Besonders relevant erscheint der Ansatz für die Sanierung historischer Gebäude. Anders als viele bisherige Bauroboter, die auf standardisierte Neubauprozesse ausgelegt sind, soll das neue System gezielt mit unregelmäßigen Bestandsgeometrien umgehen können. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen im Gebäudebestand.
Technologisch basiert die Entwicklung auf KI-gestützten Bewegungs- und Analysemodellen. Bilddaten, Sensordaten und Bewegungsabläufe werden kombiniert, um Materialverhalten und Arbeitsprozesse kontinuierlich zu optimieren. Perspektivisch könnten digitale Zwillinge genutzt werden, um Baustellenbedingungen und Materialeigenschaften vorab virtuell zu simulieren.
Die Entwicklung fällt in eine Phase zunehmenden Fachkräftemangels im Baugewerbe. Besonders körperlich belastende Tätigkeiten wie Über-Kopf-Arbeiten, Schleif- oder Sanierungsarbeiten gelten vielerorts als schwer besetzbar. Robotik und KI könnten hier künftig unterstützend eingreifen – nicht als vollständiger Ersatz des Handwerks, sondern als Ergänzung für monotone oder gesundheitsbelastende Aufgaben.
Auch im Bereich Arbeitsschutz eröffnen sich neue Perspektiven. Roboter könnten künftig Tätigkeiten übernehmen, die mit hoher Staubbelastung, Schadstoffen oder ergonomischen Risiken verbunden sind. Genannt werden unter anderem Fassadenarbeiten, Asbestsanierung oder spezielle Putz- und Beschichtungsarbeiten.
Für die Bauwirtschaft zeigt sich damit eine grundsätzliche Entwicklung: KI verlässt zunehmend die reine Planungs- und Büroebene und erreicht direkt die Baustelle. Während künstliche Intelligenz bislang vor allem in BIM-Prozessen, CAD-Systemen oder Bauanalysen eingesetzt wurde, entsteht nun eine neue Verbindung aus KI, Robotik und realer Bauausführung.
Bis zu einem breiten Praxiseinsatz dürften allerdings noch mehrere Jahre Entwicklungsarbeit notwendig sein. Neben technischer Präzision spielen vor allem Wirtschaftlichkeit, Mobilität auf Baustellen und Akzeptanz im Handwerk eine entscheidende Rolle. Dennoch verdeutlicht das Projekt bereits heute, wohin sich Teile der Bauindustrie langfristig entwickeln könnten: hin zu stärker automatisierten Baustellenprozessen mit enger Verzahnung von KI, Sensorik und Robotik.
Quelle: Deutsche Bauindustrie