Neue Technologien für das Streaming hochauflösender 3D-Daten über das Web gewinnen an Bedeutung. Für BIM-Viewer, CDE-Plattformen und digitale Zwillinge könnte das ein wichtiger Entwicklungsschritt sein: Große Modelle sollen schneller, geräteunabhängiger und kollaborativ nutzbar werden – ohne dass Anwender komplette Datensätze lokal verarbeiten müssen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Plattform Miris, deren Public Beta am 24. März 2026 gestartet ist. Nach Angaben des Unternehmens werden 3D-Assets im OpenUSD-Format hochgeladen, automatisch für das Streaming aufbereitet und anschließend an verschiedene Endgeräte ausgeliefert. Miris spricht dabei von einer Infrastruktur, die ohne klassischen Aufbau eigener Streaming-Pipelines auskommen und 3D-Inhalte skalierbar über das Web bereitstellen soll. Die Plattform gibt an, Assets mit bis zu 10 GB unterstützen zu können.

Für die Bau- und Planungsbranche ist dieser Ansatz vor allem dort relevant, wo große Datenmengen bislang ein praktisches Hindernis darstellen. Dazu zählen umfangreiche BIM-Modelle, 3D-Gebäudedaten, Punktwolken, Photogrammetrie und digitale Zwillinge. Der offene Standard OGC 3D Tiles ist genau für das Streaming solcher großen 3D-Geodaten ausgelegt und nennt ausdrücklich BIM/CAD, 3D-Gebäude und Punktwolken als typische Einsatzfelder.

Damit berührt das Thema auch die Weiterentwicklung von Common Data Environments. Wenn große Modelle nicht mehr vollständig heruntergeladen oder nur auf leistungsfähiger Hardware genutzt werden müssen, sinken technische Zugangshürden in Projektteams. Browserbasierte Viewer, verteilte Projektarbeit und die Einbindung externer Beteiligter könnten dadurch einfacher werden. Diese Einordnung ist eine fachliche Ableitung aus den beschriebenen Streaming-Eigenschaften und den bestehenden Standards für große 3D-Datensätze.

Auch für digitale Zwillinge ist die Entwicklung relevant. Branchenplattformen rund um OpenUSD und cloudbasierte 3D-Workflows positionieren sich zunehmend als technische Grundlage für digitale Modelle, die nicht nur visualisiert, sondern auch simuliert, betrieben und fortgeschrieben werden. NVIDIA beschreibt OpenUSD und Omniverse ausdrücklich als Bausteine einer neuen Generation KI-fähiger digitaler Zwillinge. Daraus lässt sich ableiten, dass effizientes 3D-Streaming künftig stärker mit Datenräumen, Simulation und KI-gestützten Anwendungen zusammenwachsen dürfte.

Klar ist aber auch: Noch handelt es sich weniger um einen klassischen Produktrelease aus dem BIM-Authoring als vielmehr um einen Infrastrukturtrend. Der eigentliche Hebel liegt nicht im Modellieren selbst, sondern in der Frage, wie große 3D-Datenmengen performant, webbasiert und kollaborativ bereitgestellt werden. Für BIM-Viewer, CDE-Plattformen und digitale Zwillinge könnte genau das in den kommenden Jahren ein entscheidender Wettbewerbsfaktor werden.

Quelle: https://www.ogc.org/